Wer hat Angst vorm Corona-Mann?

https://www.youtube.com/watch?v=s0-b3gv8qyo

Die Tötung von EU-Bürgern

https://www.youtube.com/watch?v=zHshCd125no

Die Wahrheit über Australien

https://www.youtube.com/watch?v=JWuS3hV-JcI

Klimaklartext

https://www.youtube.com/watch?v=4rcO4KDnz1Q

Wandel des Klimas

https://www.youtube.com/watch?v=NB69EIzGVoU

Der Schamane und die Schlange


„Der Schamane und die Schlange“ ist ein kolumbianischer Abenteuerfilm von Ciro Guerra aus dem Jahr 2015. Der Film behandelt frei nach den Tagebüchern des deutschen Anthropologen Theodor Koch-Grünberg und des US-amerikanischen Biologen Richard Evans Schultes ein fulminantes Stück Kulturgeschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts.
1909 begibt sich Theodor Koch-Grünberg auf eine Expedition nach Südamerika, um die Völker im Amazonas-Gebiet zu studieren. Er hat aber auch noch ein anderes Ziel: Er will die für den Film kreierte Wunderpflanze Yakruna finden und hofft durch diese von seinem seelischen Leid geheilt zu werden: Er hat nämlich noch nie geträumt. Mitten im Amazonasdschungel trifft der gesundheitlich angeschlagene Forscher mit seinem indianischen Führer Manduca den Schamanen Karamakate, der das wohlgehütete Geheimwissen um die Pflanze besitzt. Dieser, vom Kolonialismus erzürnt, lässt sich nur widerwillig auf die Bitte ein. Er behandelt Theo mit Drogen aus dem Dschungel, den er wie ein Buch liest: „Alle Pflanzen, Bäume und Blumen sind voller Weisheit.“ Der Mythos vom rauschfreien Menschen, dem das Halluzinogene heilsam und hilfreich sein kann, wird tangiert. Die Mythen, Mittel und Methoden der Indianer sollten ideeller Weise nicht verloren gehen, doch schon ein einfacher Gegenstand wie ein Kompass scheint die Traditionen wie das Navigieren nach Wind und Sternen zu gefährden.
Über 30 Jahre später begibt sich der Ethnobotaniker Richard Evans Schultes ebenfalls in die Amazonas-Region, um die Verwendung von Pflanzen durch die dort lebenden Menschen und deren Heilwirkung zu studieren. Auch Schultes trifft auf Karamakate. Kolonialisten haben dessen Stamm ausgerottet, und aus dem tapferen jungen Karamakate ist ein alter Mann geworden, der sich trister Weise aufgegeben hat.
Die Wege beider Forscher verschlingen filmisch zu einer fiebrigen Reise, die sie zu einer Missionsstation führt, deren Entwicklung an „Apocalypse Now“ erinnert. Völlig finster schlägt Karamakates Herz aber nicht, denn mit Schultes Schups gewinnt der „Welten-Beweger“ langsam seine Erinnerung und sein Ich zurück und sie gelangen schließlich zusammen ans Ziel: der letzten Yakruna, dem Traum unserer tropischen Welt.
„Der Schamane und die Schlange“ ist ein Drama über die Folgen des europäischen Kolonialismus im Amazonas und kultureller Evolution. Der exotische Film ist ein gelungener Schwarz-Weiß-Streifen voll Schönheit und Schauder, ein dämonisches Dschungelbuch voller Lieder über Traum und Wirklichkeit, dem Märchen von der Erkennbarkeit der Welt.

Frag die Dämmerung

Es geht einem doch so manche Verrücktheit im Leben durch den Kopf: Als ich eines Morgens viel zu früh aufwachte und draußen die Sonne langsam aufging, dachte ich bei mir: >Ich hab noch nie John Fante gelesen. Dafür gibt es überhaupt keine Rechtfertigung!<
Und dann habe ich John Fante gelesen.
Verdammt hat sich das gelohnt!

„Ich – Arturo Bandini“, im Original Ask The Dust, ist ein Roman von John Fante, erstmals erschienen im Jahr 1939. Seinen Erfolg verdanken Roman und Autor keinem geringeren als Charles Bukowski, der das Buch, beflügelt von dessen ehrlichem Schreibstil, neu auflegen ließ. Mittlerweile heftet „Ask The Dusk“ der Staub der Geschichte an, doch wenn man den fragt, ist die Antwort: Das Buch ist zeitlos gut. Es handelt von Fantes zwiespältigem Alter Ego Arturo Bandini. Dieser ist wie sein Entwerfer italienischer Abkunft und träumt davon Schriftsteller zu werden. Dafür zieht er von Colorado nach Los Angeles um den Roman „Die Straße nach Los Angeles“ zu schreiben. Doch abgebrannt wie er ist, gestaltet sich das Vorhaben als schwierig und so muss er sich vorerst von Orangen ernähren. Aber sein Magen und sein Mut lassen ihn nicht im Stich. Dann entsteht das eigentliche Drama, das einen angenehm schmunzeln und schmerzen lässt. Arturo lernt die temperamentvolle und rassige Kellnerin Camilla Lopez kennen, die gerne ihren Einwanderernamen los wäre und dafür einen vermögenden Mann bekäme. Zwischen beiden entwickelt sich eine rücksichtslose Romanze, eine Art Hassliebe, die in der Wüste endet, unter den Sternen im Staub.
Das Buch ist der Roman einer Schriftstellerseele, die nach leichtem Leben und Leidenschaft lechzt. Sein Stil ist schlendernd, sonnengepflastert, sandstaubig, schlicht und schön, am Ende episch. Fante gelingt eine Geschichte, die echt ist, abgeschieden, einsilbig und doch ungestüm und feurig. Die Figuren sind ernst und fühlen sich lebenshungrig und lustdurstig. Der Sommerträumende Bandini leidet, schwärmt, trinkt Wein und raucht mit seiner Angebeteten Marihuana, eine Eskapade, die vielleicht etwas dick aufgetragen geschildert ist, aber so eine ordentliche Tüte ohne oder mit nur wenig Tabak vermengt, kann schon seine Wirkung entfalten. Der Konsum dieses Buches ist auf jeden Fall ein Hochgenuss mit dem süßlich schweren Geschmack von Sehnsucht. Allen Lesesüchtigen sage ich: Reinhauen!

The Revenant – Jenseits von Wildwestromantik


„The Revenant – Der Rückkehrer“ (Originaltitel: The Revenant) ist ein US-amerikanischer Historienfilm des mexikanischen Regisseurs Alejandro G. Iñárritu aus dem Jahr 2015. Das Drehbuch verfasste er zusammen mit Mark L. Smith, basierend auf dem Roman „Der Totgeglaubte“ von Michael Punke. Es verfolgt die legendäre Geschichte des Trappers Hugh Glass, gespielt von Leonardo DiCaprio, der sich 1823, nach einem Jagdunfall schwer gezeichnet und von seinen Beschützern liegengelassen, den Weg zurück zum Fort erkämpfen muss. Zusammen mit dem visionären Kameramann Emmanuel Lubezki gelingt den Machern ein außerordentlich gelungener Film von visueller Signifikanz und realistischer Substanz: Ein Historienwestern der Extraklasse. Jenseits von Wildwestromantik zeigt der Film die wilde Natur Kanadas und erzählt die reale Geschichte über den Überlebenswillen eines beherzten Trappers. Darin wird gezeigt, was man einem Menschen an Leistung zutrauen kann und wie hart die Natur tatsächlich sein kann. Erhabenheit und Leidenschaft paaren sich. Und damit wird alles richtig gemacht. Die unaufdringliche und passende Musik unterstützt den Film in seinem Verlauf, der einem den Atem anhalten lässt. Phantastische Bilder von Eingeborenen und Entdeckern, Wäldern und Bären, Wölfen und Bisons, präsentieren eine wahrhaft dramatische Geschichte voll echter Extremsituationen, über die Natur und das menschliche Naturell. Die Natur ist nicht für dich, sie ist nicht gegen dich: du musst dich anpassen und behaupten, wenn du überleben willst. Dazu zählt auch, dass es in dem Film immer wieder um Rache und Gegnerschaft geht. Das epische Abenteuer ist eine Reise in das Herz der Finsternis und das Ringen um Aufrichtigkeit. Die strapaziöse Länge des Filmes, den man sich natürlich auch in Etappen anschauen kann, durchstreicht nicht seine herausragende Qualität und bleibende Klasse. Jedem Filmfanatiker und Ästhet ist der starke Streifen wärmstens zu empfehlen.
„The Revenant“ ist ein glänzender Historienwestern von poetischem Realismus.

Ritter der Kelche


„Knight of Cups“ (2015) ist der 7. Spielfilm des Regie-Philosophen und Künstlers Terrence Malick. Darin begibt sich ein Hollywood-Drehbuchautor auf Orientierungssuche im sonnigen L.A..
Rick (Christian Bale) ist in mittlerem Alter und bewegt sich zwischen Retrospektive und Richtungssuche. Er erinnert sich an eine Märchenerzählung aus seiner Kindheit, in der ein Prinz eine Perle aus dem Ozean holen soll, doch aus einem Kelch trinkt, der ihm die Erinnerung an seine Herkunft und seine Aufgabe raubt. Der König vergisst seinen Sohn nicht und sendet ihm Zeichen und Begleiter. Rick entsinnt sich ebenfalls an Frauen mit denen er eine Beziehung hatte, an Della (Imogen Poots), an das Model Helen (Freida Pinto), an Isabel (Isabel Lucas), an seine Ex-Frau Nancy (Cate Blanchett), an die Stripperin Karen (Teresa Palmer) und an die verheiratete Elizabeth (Natalie Portman), die vielleicht von ihm schwanger wurde und abtreiben wollte. Auch die Beziehung zu seinem Vater (Brian Dennehy) und seinem Bruder Bruder Barry (Wes Bentley), die getrübt ist vom Selbstmord des jüngeren Bruders Billy, wird beleuchtet.
Neben der Märchenparabel gibt es noch weitere Semantik und Semiotik: Die mit Tarotkarten betitelten Themenabschnitte des Art-Films, eine davon ist „Der Ritter der Kelche“, zeichnen den Mythos von der schicksalsgebenden Kindheit und dem gebrochenem teleologischem Denken des Menschen, einem ewig fremden Pilgers seines Lebens. Malick beschaut die Maskenwelt der Moderne, die Sinnsuche und die Vergnügungssucht, dem Wunsch sündhaft und mutig zu leben mit einer Seele im Körper, dem Himmel und der Bestimmung fern.
Verhandelt wird der Umgang mit den eigenen persönlichen Veränderungen. Gezeigt werden Diskos und Drogenrausch, Glanz und Glamour, Prostituierte und pompöse Partys, Tabledance und Träumerei, und immer wieder Stadt- und Naturkulissen im Strom von Tag und Nacht.
Die Musik und die Manege, die der Ritter durchstreift wirken solenn, die Kameraführung ist dabei langsam und nachvollziehbar, die Sympathie und Identifikation bleiben aber eher aus, zu hölzern und handlungsarm vollzieht sich der Inhalt des Films. Malick tänzelt zwischen Esoterik und Spiritualität auf der Suche nach dem verlorenen Paradies. Das Schöne und Saubere, das in „Knight of Cups“ zelebriert wird, kehrt den gröbsten Schmutz unter den Teppich und Malicks Mystik verschweigt so Manches vom Menschen, der laut dem Märchen für herrschaftliche Botschaften empfänglich ist. Dabei lässt die Sprach-spärlichkeit die Seelen- und Selbstfindungssymbolik etwas zu aussagenschwach verklingen.
Dennoch, die Frage, warum wir hier sind und alles da ist, bleibt, und der Film über moderne Lebenswelt webt dies mit ein. Ich würde Malick gerne mal interviewen und ihn zu seinen religiösen Überzeugungen befragen, welche bekanntermaßen schnell dahin tendieren, das andere sie teilen sollen, aber das wird mir wohl verwehrt bleiben.
Insgesamt ist ein Experimentalfilm dabei herausgekommen, der schön geglückt ist und den man sich sicher auch emotional geben kann. Der Filmkünstler Malick spaltet die Gemüter und der Hoffnungsschimmer ausblendende Film „Knight of Cups“ gibt zu verstehen, was wir alle wissen:
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, aber es geht weiter.

Revelations Adrift

„Revelations Adrift“ ist das 2015 erschienene Solo-Debüt-Album des spanischen Musikers Eric Baule betitelt. Der Sänger und Gitarrist der Metal-Band Moonloop erschafft hier seinen eigenen Klangkosmos und Tontempel, sphärischer mithin spiritueller Progressive Rock ist angesagt. Der Künstler konzipiert ausgeklügelte und ausgewogene Arrangements aus illernder Instrumentierung und tiefsinnigen Texten. Kraftvoll wie Ebbe und Flut ist die sehr persönliche Musik über Naturverbundenheit und Existenzielle Erfahrungen. Tonal eher schattig und dunkel sind die Mid-Tempo-Stücke, und dabei dennoch warm und stark und liefern erhabene Gefühle. Innig und ambitioniert gelingt Eric Baule ein progressives Projektalbum erster Güte, das nicht nur Genrefans aufhochen lassen sollte.

Märchenhaft

„Die Märchen“ von 1919 ist eine Kunstmärchensammlung des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse. Modern und meisterlich gelingen dem Autor darin Geschichten mit einem breiten Gedanken- und Gefühlsspektrum. Hesse, das muss man sagen, war schon ein echter Künstler, ein kluger Kopf und ein Geistesgigant. Mit sprachlicher Sicherheit entführt er den Leser hier in eine magische Märchenwelt und philosophiert in seinen zutiefst poetischen Prosastücken über die Läufe, Laster und Lustbarkeiten des Lebens. Amüsant und atemberaubend sind die traumhaft romantischen Dichtungen, die zeitlos schön und staunenswert sind:
In „Der Zwerg“ geht es um die Schöne und das Biest oder auch das Biest und der Schlaue – Neid, Narzismus und eine Nixe unterhalten kunstvoll. „Schattenspiel“ wirft eine düstere Mauerschau von Eifersucht und Enthaltsamkeit auf die Bühne des lesenden Bewusstseins. „Ein Mensch mit dem Namen Ziegler“ findet sich irrwitzig als Zieraffe im Zoo wieder. „Die Stadt“ handelt vom Werde- und Niedergang einer Zivilistion, „deren Kultur entartete“. „Doktor Knögles Ende“ als Opfer eines Vegetarierwahnsinnigen ist köstliche Kurzweil.
„Der schöne Traum“ behauptet „die meisten Menschen erleben ihre Träume viel heftiger als ihr Leben“ und endet in dem wohl epischsten Kuss der Literaturgeschichte. „Der Flötentraum“ klingt nach Schönheit und Vergänglichkeit. „Augustus“ erlebt unheimliche Dinge, irrt durch die gängelnden Gänge des Labyrinths seines Lebens und gelangt schließlich zu dessen mildtätigen Mitte, dem Anfang und Ende.
„Der Dichter“ will Meister seiner Kunst werden und studiert den Einklang von Musik, Sprache und Naturerscheinung. „Der Waldmensch“ gleicht Platons Höhlengleichnis. „Merkwürdige Nachricht vom anderen Stern“ ist ein Text über Tempel, Träume, Trümmer, Tod und Trost.
In „Faldum“ ist Jahrmarkt der Eigenartigkeit und „Der Berg“ der dort wächst, weicht malerisch dem Meer. „Der schwere Weg“ führt hypnotisch durch die felsige Seelenlandschaft des Protagonisten und auch „Eine Traumfolge“ ist literarische Psychoanalyse. „Der Europäer“ ist eine Märchenausseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte Europas und auch „Das Reich“ eine Ausseinandersetzung mit dem Thema Krieg und Frieden. „Der Maler“ und „Märchen vom Korbstuhl“ sind Zeugnisse künstlerischer Selbstreflexion. „Iris“ ist der phantastische Blick ins eigene Auge und die blühende Kindheit und „Gespräch mit dem Ofen“ ist ein Denkmahl des Denkens. „Piktors Verwandlungen“ sind eine „Gabe“ und die Gewissheit, das alles fließt. „Kindheit des Zauberers“ und „Traumfährte“ sind eine Verarbeitung und Spurensuche der eigenen künstlerischen und persönlichen Entwicklung. „König Yu“ ist eine kurze Abrechnung zu Staatsführung und Menschenbild. „Vogel“ thematisiert das Erscheinen eines Vogels, das ein Gefühl auslöst, das heftiger und schmerzvoller ist als die blaublumige Sehnsucht. „Die beiden Brüder“ ist ein kleines und feines Märchen, das Hesse mit 10 Jahren geschrieben hat und den Band liebevoll beschließt. Wer Märchen und die Macht der Sprache mag, der sollte sich dieses Buch unbedingt zu Gemüte führen.

Atanarjuat – Die Legende vom schnellen Läufer


„Atanarjuat – Die Legende vom schnellen Läufer“ ist ein kanadischer Spielfilm von Zacharias Kunuk aus dem Jahr 2001 über eine uralte Inuit-Legende. Das Drehbuch kreierte Paul Apak Angilirq.
Die Geschichte wird in der historischen Siedlung Iglulik in der Arktis zu Beginn des ersten Jahrtausends angesetzt. Polares Blau, der Mond weißrund am Himmel, ein Inuit steht mit heulenden Hunden inmitten der vereisten Landschaft. Mit diesem Bild beginnt der sensationelle Film. Dann wechseln sich die seltsamen Szenen ab: Ein fremder Schamane besucht einen kleinen Nomadenstamm und bringt einen Fluch über die Gemeinschaft. Religiöses Gemurmel und Gesang entführen in eine archaische Welt und rätseln über die Frage nach der Herkunft des metaphysisch Bösen, das auch als „Der Schlaue“ personifiziert wird: „Niemand weiß, wer er war. Das Böse kam wie der Tod. Es geschah einfach. Und wir mussten damit leben.“ Der noch junge und machthungrige Sauri wird durch einen merkwürdigen Mord am Häuptling mit Hilfe des debilen Schamanen zum neuen Stammesführer, sein Konkurrent Tulimaq muss nun unter ihm leiden. Dessen Söhne, der ältere und kräftige Amaqjuat und der jüngere und schnelle Atanarjuat (was so viel wie „schneller Läufer“ bedeutet) und Sauris Sohn Oki erben die Rivalität der Väter. Oki ist die schöne Atuat versprochen, aber auch Atanarjuat flirtet mit ihr. Streit, Eifersucht und Aggression führen zu einer Morddrohung Okis und es kommt zu einem rituellen Faustkampf. Tänze, Trommel und Sangesformeln leiten den Zweikampf unter dem Schiedsgericht ein. Dabei kann sich Atanarjuat gegenüber dem stärkeren Oki durchsetzen und Atuat zur Frau nehmen. Der Ausgang des Duells wird schicksalhaft als versprochen gedeutet. Nach einigen Jahren nimmt Atanarjuat jedoch Okis Schwester, die hübsche Puja zur zweiten Frau. Diese ist jedoch leicht eifersüchtig und fühlt sich von ihrem Mann vernachlässigt, um ihn zu bestrafen animiert sie Amaqjiuaq zum Sex. Es kommt zu großem Streit und die ängstliche Puja flieht zu ihrer Familie und übertreibt, dass Atanarjuat versucht habe, sie umzubringen. Der gekränkte und rachsüchtige Oki, will seine Schmach nicht länger hinnehmen und versucht mit Hilfe seiner Geschwister die verhassten Brüder während des Mittagsschlafs zu töten, was ihm bei Amaqjuaq auch gelingt. In der musikalisch befremdenden Mordszene hört man plötzlich teuflisches Lachen, dann schreckt die Geistererscheinung eines Ahnen Oki auf und Atanarjuat stürzt aus dem Zelt und kann entkommen. Er flieht nackt vor seinen Verfolgern durch die eisige Wüste und wird völlig entkräftetet von einer Inuit-Familie gerettet, die sich schon seit längerer Zeit, zu Anfang des Films, von der Sippe Sauris getrennt hat. Oki ist versucht zu glauben, dass er tot ist und will nun Atuat heiraten. Doch sein Vater glaubt nicht an Atanarjuats Tod und will keine Gesetzte verletzten, daraufhin vergewaltigt Oki Atuat und ermordet hinterhältig seinen Vater und wird so zum neuen Oberhaupt. Atuat und ihr Kind müssen jetzt Hunger leiden und werden gemieden. Doch der genesene Atanarjuat kehrt zusammen mit seinen Rettern zurück. Er gibt sich gegenüber dem Stamm freundselig und lockt Oki und seine Brüder in ein Iglu mit glattpoliertem Eisboden und bewirtet sie zunächst mit frischem Fleisch. Dann zieht er sich Steigeisen aus Karibugeweih über und greift sie an. Da er auf dem spiegelglatten Boden dank der Steigeisen überlegen ist, gewinnt er den Kampf. Doch er tötet Oki nicht, sondern erklärt das Morden für beendet. Die vor dem Iglu wartende Gemeinschaft ernennt Atanarjuat zum neuen Vorsteher. Die Geschichte endet wie sie begann, mit einem schamanischen Ritual. Diesmal wird der prophetische Fluch gebrochen und die bösen Geister vertrieben. Oki und seine Gefolgsleute werden zur Strafe aus der Gemeinschaft verbannt.
Der Film wurde an Originalschauplätzen im kanadischen Territorium Nunavut gedreht und die zugrundeliegende Legende, die ursprünglich mit vollzogener Rache und nicht mit bestrafter Vergebung endet, wurde von einer kleinen Inuit-Gemeinde auf einer Insel in der nördlichen Baffin-Region von Generation zu Generationen mündlich tradiert. Über die Jahrhunderte hinweg diente sie dazu, den Menschen zu verdeutlichen, wie gefährlich es ist, eigene Interessen über das Wohl der Gemeinschaft zu stellen. Das anthropologische Drama über die Dimensionen menschlicher Existenz und Seins lebt von seiner einzigartigen realistischen Atmosphäre. Der Film voller dokumentarischer Details ist mit viel Liebe und großem Sachverstand gemacht worden. Musik einer anderen Welt, komische Sitten, Häme und Herzlichkeit, Witze über Geschlechterrollen und Erotik; Techniken, Werkzeuge, Kleidung, Gesichtsbemalungen, Geister- und Gegenstandsglaube und immer wieder atemraubende schamanische Riten, sowie die untertitelte Inuit-Sprache faszinieren den unbedarften wie thematisch gebildeten Betrachter. Die weiße Weite aus Schnee und Eis und schneelose karg bewachsene sommerliche Landstriche entführen in einen pittoresken und extremen Lebensraum. Immer wieder ist der Wind in der verlassenen Gegend zu hören, ebenso das knirschende stapfende Geräusch der Schritte im Schnee, Möwengeschrei und Wassernähe zeugen von einer gefährlichen wie sanften Natur in der Kälte und Wärme, gefrorene Erde und Blüten wechseln. Walrösser, Karibus und Wölfe werden erwähnt. Ein Kajak an der Küste im mattgoldschimmernden Licht, scheinbar improvisierter Liedgesang, unbeschwerte Liebesszenen und archaische Kulturschönheit schaffen einen ungewohnten Filmgenuss. Die wissenschaftlich versierte Kunstversion ist ein Meisterwerk ethnologischer Narration über das Leben der kanadischen Inuit in einer vergangenen Zeit und behandelt die ewigen Gesetzmäßigkeiten von Gut und Böse, Liebe und Hass, Missgunst, Macht und Eifersucht und das gewaltige Gefühls- und Verhaltensspektrum unserer Spezies. Mystik und Kultvorstellungen einer ursprünglichen völkischen Ebene zeigen Konstanten und Möglichkeiten auf, die bis in unserer heutiges und zukünftiges Zeitalter in hineinreichen. Die latent grausame Geschichte, die letztlich glimpflich und nicht nur gnadenlos endet, aber zeigt, dass es im Leben nicht ohne Verlust, Neid und Gewalt geht, ist unendlicher philosophischer Lehrboden, doch sicher kein universales Lösungsmahnmal oder Richtmaß. Die Vorzeitvision ist eine genehme Erzählung wie sich eine Gemeinschaft über Prinzipien, Methoden und Motive entwickelt und zeigt intensiv und inhaltsträchtig Fassettenvielfalt unserer Vorstellungskraft.

Maïna

„Maïna“ ist a kanadischer Film aus dem Jahr 2013 von Michel Poulett und spielt in den kanadischen Wäldern ca. 600 Jahre in der Vergangenheit, also vor der Kolonisierung. Maïna (Roseanne Supernault) ist die Tochter des Innu-Oberhauptes Mishtenapuu (Graham Greene) und daher verpflichtet, den nächsten Häuptling zu heiraten. Aber es kommt erstmal anders: Der Stamm gerät in einen Konflikt mit Jägern der Inuit, die überraschend in ihr Territorium eindringen, auf der Suche nach einem Stein, der ihnen Kraft für die Jagd gibt und sich bei einer tödlichen Auseinandersetzung genötigt sehen den Innu-Jungen Nipki als Geisel mit in ihre Heimat zu entführen. Die tapfere Maina verfolgt die Männer aus dem gefrorenen Land ohne Bäume, von denen es heißt, sie essen Menschen. Sie wird entdeckt und gefangen genommen. Bald muss sie sich zurechtfinden in einer Welt aus Schnee und Eis und unheimlichem Polarlicht. Sie muss sich anpassen an eine ihr fremde Kultur und entdeckt die Liebe zu dem Innuit Natak, dem sie bereits im Traum erschienen ist. Nach einer Zeit kehrt Maïna in ihre angestammten Gefilde zurück und trifft ihre Sippe wieder, die Geschichte endet glücklich.
Das ethnologische Drama bietet neben Gebräuchen und kulturellem wie menschlichen Konflikten, visionäre Schicksalsträume, Wölfe die als Retter herbeieilen und Krähen die als Omen betrachtet werden. Der Film wurde auch in den Originalsprachen der Innu und Inuit gedreht, die man nach Belieben mit Untertiteln ansehen kann. Wer etwas übrig hat für vergangene Kulturen und Naturkulisse ist hier richtig.
Am Ende fragt man sich aber auch, ob der Film nicht etwas zu familiär oder gar ein bisschen Mädchenfilm ist. Mehr Spielzeit, Darsteller, Gebräuche und Glaubensvorstellungen hätten aus dem Film sicher noch mehr rausgeholt. Egal, Supernault gibt einen markigen Auftritt und spielt eine sehnsuchtsvolle Geschichte, „Maïna“ ist ein beachtlicher Film.

Moby-Dick; oder: Der Wal – Ein Klassiker

„Moby-Dick; oder: Der Wal“ von (1851) ist ein Roman des Schriftstellers Herman Melville (1819-1891). Der Ich-Erzähler Ismael ist melancholisch und abenteuerlustig, er geht nach New Bedford (Massachusetts), dem Tummelplatz des amerikanischen Walfangs mit dem Entschluss zur See zufahren. In der Herberge muss er das Bett mit dem am ganzen Körper tätowierten Polynesier Queeqeeg teilen, der Walfänger und Kannibale ist und gerade von Hafen zu Hafen zieht um seine Totenschädel zu verscherbeln. Die beiden freunden sich jedoch schnell an und reisen weiter nach dem bedeutenden Walfanghafen in Nantucket (indianisch: das weit entfernte Land), dort heuern sie auf der »Pequod« an, benannt nach dem an der Küste ansässigen Pequot-Indianerstamm. Die Mannschaft des Schiffes ist ein Kuriositätenkabinett: Tashtego, ein Indianer und letzter seines Stammes, Daggoo, ein schwarzhäutiger Riese, Queenqeeg der heidnische Kannibale, und natürlich der vergrämte und erfahrene Kapitän Ahab, der heimlich eine Handvoll grimmiger Gesellen zu seinem Schutz angeworben hat. Diese halten sich zunächst für die Mannschaft verborgen unter Deck auf, darunter der persische Harpunier Fedallah, Ahabs „dunkler Schatten“, der „Feuer Verehrer“ dünkt wie der Teufel in Menschengestalt an und berät den alten Ahab in seinen Angelegenheiten.
Ahab hat einst ein gewaltiger weißer Wal, Moby Dick, ein Bein abgebissen, seither läuft Ahab mit einem Ersatzbein herum, nicht aus Holz, sondern aus einem Walknochen. Ahab sinnt auf Vergeltung und verpflichtet die widerwillige Besatzung, ihm bei seiner fanatischen Jagd auf den weißen Wal zu helfen. Die riskante Reise der Pequod führt durch den Atlantik und den Indischen Ozean bis in den Pazifik. Moby Dick wird schließlich gesichtet und es kommt zur erbitterten Jagd und Kräftemessen. Der engstirnige Dickkopf Ahab ist hasszerfressen und rachsüchtig, dem Wahn des Wals verfallen, der albinoweiß und meermächtig ist und allen Fangversuchen trotzt. Ein Aufbegehren gegen den besessenen „Seewolf“ Ahab scheint trotz der entstehenden Lebensgefahr nicht möglich zu sein. Am Schluss zerstört der ungeheure und unheimliche Pottwal das Schiff. Ahab findet dabei einen schrecklichen Tod, da sich sein Bein in die Leine seiner Harpune verwickelt, zieht ihn der Wal mit sich in die Tiefe. Ismael ist der einzige Überlebende und wird später geborgen.
Moby Dick gilt als eines der bedeutendsten Prosawerke der Weltliteratur. Der gedankengroße Roman verbindet Abenteuererzählung, Walkunde und philosophische Reflexion miteinander.
Schwülstig-schöpferisch schreibt Herman Melville (1819-1891) der selbst Jahre lang zur See fuhr, auch als Matrose auf Walfängern, einen Roman, der Fiktion und Erfahrung, zu einer tiefsinnigen Seemanngarnsage spinnt. Naturkundliche Abhandlungen, essayistische Überlegungen, unzählige literarische und philosophische Verweise machen das Werk selbst zu einem Ungetüm von Wal, von dem es mittlerweile mehrere bemühte Verfilmungen gibt. Dem seitenstarken Buch wird selbstredend keine davon gerecht. Die sprachlich domartige Konstruktion aus einem Meer der Worte und einem Freskenhimmel der Philosophie ist schon beeindruckend, doch naturgemäß nicht unbedingt etwas für jeden Leser, aber wenn man einmal die teils beschwerliche Reise durch den Ozean von Text überstanden hat, ist man um einen echten Klassiker klüger. Aber nicht nur wegen seiner Gattungs- und Stilübergreifenden Erzählweise und der symbolisch überschäumenden Sprache ist der Roman literatur- und kulturgeschichtlich von Rang, es ist die schicksalhafte Erzähllinie selbst: Die Story vom düsteren Kapitän der seinen weißen Wal jagt, auf Gedeih- und Verderb. Und am Ende haben wir in unserem Leben vielleicht alle zumindest zeitweise unseren weißen Wal.

Kon-Tiki

„Kon-Tiki“ heißt das biografische Filmdrama aus dem Jahr 2012 über den Forscher und Abenteurer Thor Heyerdahl und seine Kon-Tiki-Expedition. Die Regie übernahmen Joachim Rønning und Espen Sandberg. Thor Heyerdahl (Pål Sverre Vahlheim Hagen) möchte entgegen der herkömmlichen Lehrmeinung beweisen, dass Polynesien vor 1500 Jahren von Peru und nicht von Asien aus besiedelt wurde. Dazu baut er mit einer kleinen gleichgesinnten Mannschaft ein Floß wie es die damaligen Siedler zur Verfügung gehabt haben mussten und nennt es Kon-Tiki, nach einen Schöpfergott aus der Inka-Mythologie.
Thor Heyerdahl wird als waghalsig und abenteuerlich gezeichnet, ein Mann mit Taten- und Forscherdrang. In dem Film führt er eine harmonische und verständige Beziehung mit seiner Frau Liv Heyerdahl, die ihn zunächst unterstützt. Gegen die gesamte Wissenschaftswelt, Zweifler und Kritiker setzt er zielbewusst seine Idee von der Expedition um.
Gemeinsam mit dem Ingenieur Herman Watzinger (Anders Baasmo Christiansen), dem Ethnologen Bengt Danielsson (Gustaf Skarsgård), dem Künstler Erik Hesselberg (Odd-Magnus Williamson), und den beiden Funkern Knut Haugland (Tobias Santelman) und Torstein Raaby (Jakob Oftebro) sticht er 1947 in See. Dabei ist keiner von ihnen in der Seefahrt ausgebildet und Heyerdahl selbst kann nicht einmal schwimmen. Die Forschungsreise über eine Strecke von 7000 Kilometer weite gefahrenvolle Wasserwelt gelingt. Nach 101 Tagen strandet Kon-Tiki vor Raroia im Tuamotu-Archipel. Den Helden gebührt Anerkennung und Ruhm. Der Film vermittelt ungeheuer anschaulich das Leben auf dem Floss. Schön und kontemplativ wird der Pazifik gezeigt. Herrliche Sonnenuntergänge, Sternenhimmel über schier grenzenlosem Ozeanblau und sechs blonde Norweger bieten bestes Kino. Aber die Urgewalt zeigt auch ihr raues Gesicht. Unwetter, Sturmböen und Tiere aus den Tiefen des Meeres sorgen für atemberaubende Spannung. Der wirklichkeitsgetreu erdichtete und unaufdringliche Kampf mit dem Hai sorgt für Kurzweil und das Floss droht mit der Zeit auseinanderzubrechen. Und es kommt die Szene die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Watzinger fleht Heyerdahl an die Konstruktion mit von ihm heimlich mitgenommenen Stahlseilen zu befestigen und was macht Thor Heyerdahl? Er nimmt die Seile und schmeißt sie einfach über Board: Entweder wir kommen mit den Mitteln an wie sie Eingeborenen einst wahrscheinlich hatten oder wir gehen eben unter – So ein Typ war Heyerdahl. Die Stelle habe ich abgefeiert. Doch am Ende geht nochmal alles gut. Glänzend geschönt segeln die Traumfänger durch die Sonne und es gelingt ihnen, das was den antiken Meeresüberwindern damals schon gelang. Der Preis für Heyerdahl ist allerdings hoch, denn seine eigenständige Frau und Liebe, die mit den Kindern zu Hause bleiben und bangen musste, hat ihn trotz Bewunderung und Verständnis für seine Tat verlassen. So stimmt der Film zum guten Schluss ein bisschen traurig.
„Kon-Tiki“ ist ein prächtiger Film über Entdeckergeist und Abenteuerlust. Das ist die künstlerische Vision seiner Macher. Das besondere an der Leistung Thors und seiner Mannen ist es, gegen die wissenschaftliche Lehrmeinung mittels eines Experiments und dies unter Gefahr des eigenen Lebens eine Theorie zu beweisen, eine Idee mit Hingabe gegen überkommene Vorstellungen zu erfüllen. Das liefert der saftige Film, der weniger auf die Charaktere, als auf Stimmung und Grundidee setzt.
Wer sich für genauere Hintergründe interessiert, kann sich auch den Oscar prämierten Dokumentarfilm von 1950 anschauen oder Literatur zu Gemüte führen. Und wer sich jenseits der künstlerischen Vision der Kinofilmemacher Endlosdiskussionen über realistische Darstellungen und Widergabe antun möchte, wie dies bei dem Film der freudlose Fall war, dem wünsche ich viel Spaß dabei.

Whale Rider

„Whale Rider“ aus dem Jahr 2002 ist ein Film von Niki Caro, basierend auf dem Roman „The Whale Rider“ von Witi Ihimaera und handelt von Paikea (Keisha Castle-Hughes) einem Māori-Mädchen, dass nach dem Māori-Urahn Paikea benannt wurde. Laut Überlieferung, gelangte dieser vor über tausend Jahren auf einem Wal reitend an die Küste Neuseelands und gründete dort das Dorf Whangara. Seither trägt das Oberhaupt des Stammes seinen Namen und vererbt diesen an den Erstgeborenen der männlichen Nachkommen weiter. Als nun die Geburt eines neuen männlicher Nachfahren stattfindet, geht diese schief. Die Mutter bekommt Zwillinge, jedoch sterben die Mutter und der männliche Zwilling dabei. Den überlebenden weiblichen Zwilling benennt der Vater Porourangi (Cliff Curtis) trotzig und zum Missfallen der traditionsverschworenen Großvaters Koro Paikea. Damit verstößt er eindeutig gegen die Stammestradition. Koro hat deshalb nicht viel übrig für seine heranwachsende Enkelin und lässt sie seinen Unmut immer wieder spüren. Die feinfühlige Paikea sehnt sich aber nach der Zuneigung ihres Großvaters und hat Interesse für die Glaubensvorstellungen ihrer Vorfahren. Koro unterrichtet und ertüchtigt die heranwachsenden Jungen des Dorfes in den alten Māori-Bräuchen in der Hoffnung einen geeigneten Nachfolger für den Dorfvorsteher zu finden. Paikea, gerufen Pai möchte ebenfalls mitmachen, darf aber als Mädchen nicht teilnehmen. Nachdem sie herausfindet, dass ihr Onkel früher ein hervorragender Māori-Kämpfer trainiert die Teenagerin mit ihm und zeigt Talent. Koros Herz hängt an dem bevorstehenden Ritual, bei dem die Dorfjungen nach einem kultischen Walzahn tauchen müssen, um zu beweisen, dass einer von ihnen einen würdigen Stammesvorsteher abgibt. Die Jungen scheitern jedoch allesamt und Koro verbittert darüber. Doch die beherzte Pai schafft es, den Walzahn durch Zufall beim Fischen zu hohlen. Gegen Ende liegen gestrandete Wale am Strand und Pai reitet „todesmutig“ und vom Mythos beseelt einen dieser Wale zurück ins Meer. Großvater Koro wird der Wahlzahn überreicht und dieser erkennt ergriffen Pai als Paikea an und ist am Ende glücklich und erfüllt, dass sein Traum von der Tradition nicht stirbt, sondern weiterlebt. „Walreiter“ ist ein zutiefst emotionaler Film über das Wegbrechen alter Lebensformen und der unaufhaltbaren Moderne. Dazu zählen auch Paikeas Vater, der im Ausland māorische Kunst verkauft und eine deutsche Frau geheiratet hat und ein anderer Vater, der sich lieber einem westlich-amerikanischen Lebensstil außerhalb des Dorfes hingibt, als seinen Sohn der dort aufwächst öfter zu besuchen. Keisha Castle-Hughes, die für ihre Rolle den Oscar bekommen hat und mittlerweise in der dramaturgisch dürftigen und kitschig-kalten Zombie-Serie „The Walking Dead“ zu sehen war, spielt berührend eine gefühlsstarke Jugendliche, die gegen leichte kulturell gewachsene, aber keinesfalls despotische Geschlechternormen ihren Weg und ihren Platz erkämpft.
Auch wenn ich mich auf den Film einlassen kann, ist er mir persönlich doch etwas zu „sozialweich“, was auch daran liegt, dass ich mich selbst gerne hinundhergerissen fühle zwischen den Lebenswelten, so konterkariert der schöne Film mit meinen eigenen Wünschen nach Ursprünglichkeit, wie auch meiner Liebe zur fortschrittlichen Gegenwartskultur, die beide anderer Art sind. „Whale Rider“ ist, wenn er auch von vielen Fans etwas übertrieben idealisiert und verherrlicht wird, ein verdammt cooler und bewegender Film.

Seraphim Falls

„Seraphim Falls“ ist ein weiser Western und ein facettenreicher Film über Schuld und Sühne, den Kampf ums Überleben, Flucht und Verfolgung aus dem Jahr 2006. Regie führte David Von Ancken. 1868 in den Ruby Mountains: Ein Mann jagt zusammen mit ein paar von im angeheuerten Kopfgeldjägern einen anderen. Warum, das erfährt der Zuschauer erst nach und nach und auch der Gejagte weiß anfangs nicht warum man ihm nach dem Leben trachtet. Mehrmals stellt der Verfolger den Gejagten und beide haben Gelegenheit einander zu töten. Beim ersten Mal wird der Grund ausgesprochen: Seraphim Falls raunt der rachsüchtige Jäger. Morsman Carver (Liam Neeson) ehemaliger Colonel der Konföderierten macht Gideon (Pierce Bronsan), Offizier der Nordstaaten für den Tod seiner Familie in Seraphim Falls verantwortlich. Nach einer langen und mörderischen Hatz durch eine epische Landschaft wechselnder Naturverhältnisse und Wetterlagen endet die Austragung der beiden dann aber verträglich. Ein westlich gekleideter Indianer an einem Wasserloch und eine fahrende Händlerin in einer Wüste stimmen nachdenklich und die beiden Gegner haben schließlich das Töten satt und trennen sich friedlich.
Beim ersten Schauen des Films wird es zwischendurch langatmig.
Fehlen tut hier allerdings nicht mehr Schießerei, sondern eher ein paar gute Sentenzen mehr darüber was Rache ist und worum es im Leben geht, Dialoge, die man auf einer Party zitieren kann. Dass der Zwist am Ende durch eine halluzinatorische Szene aufgelöst wird, ist zunächst irgendwie unbefriedigend, zumal hier mit der Realität gebrochen zu werden scheint und ein kleines gehaltvolles Gespräch es auch getan hätte und vielleicht wünschenswert gewesen wäre. Dabei ist das Ende keineswegs moralin und etwas mager wie in „Killing Season“, bei dem ich an „Seraphim Falls“ denken musste, sondern schlicht einleuchtend.
Beim zweiten Mal Schauen fällt auf, wie wenig langatmig die Handlung dann doch ist, sondern wie viel Spannung und Dramaturgie auch in den ruhigen Szenen liegt. Nach dem rasanten Einstieg gewinnt der Film zusehends an Tiefe, indem die tragische Hintergrundgeschichte mittels zeitlich gut abgestimmten Flashbacks und einer pittoresken und packenden Rückblende offenbart wird und beschert Höhepunkte wie Fallenstellen, Gerissenheit, Überraschungsmomente und einer historisch haltbaren und hartnäckigen Westernattitüde. So ist der Film ein zugänglicher und zu keiner Zeit langweiliger Streifen. Abwechslungsreich und elegisch entfaltet sich die gradlinige Handlung, die viel Wert auf die liebe- und mühevoll inszenierte Umgebung legt und so ein Fest für die Sinne ist. Der Ausnahmewestern, der insbesondere durch seine beiden Hauptdarsteller an Charisma gewinnt, ist visuell außerordentlich und erbaulich. Liam Neeson und Pierce Bronsan in seiner Meinung nach besten Rolle, liefern sich ein grandioses Schauspielduell, das ausgewogene Charaktere zeichnet: zwei kernige Männer einer vergangenen Zeit, die trotz aller Lebenshärte an entscheidenden Stellen Herz und Verstand beweisen, wie einen grundsätzlichen Respekt vor Unschuldigen oder dem Pferd, dass Gideon töten muss. Die Veteranen bekommen so genau das richtige Maß an Sympathie. Am Schluss ist klar, dass keiner der beiden ein Unschuldslamm ist und dass die Frage der Schuld am Tod der Familie nicht so eindeutig ist, wie Carver es sehen möchte. Und so erkennen beide wie sinnlos die Rache ist und gehen gemeinsam aus der Wüste hinaus.
Der Indianer und die Händlerin zum Schluss muten wie metaphysische Gestalten an, von denen man nicht weiß, ob sie gut oder böse sind, da sie helfend wie hinderlich sind. Waren sie Fata Morgana und Einbildung? Eher nicht. Waren sie real oder übersinnlich? Die Frage bleibt offen. Besonders die zweite Erscheinung bleibt fragwürdig. Die philosophische Betrachtung und symbolische Verdichtung (Wasser, Gold, zweifelhafter Wundertrank, Messer) mag Manche verstoßen, die Märchenhaftigkeit ist andererseits inspirierend und als mirakulöse Ästhetik zu genießen. Ob nun zu dick aufgetragen oder interessante Überhöhung zum schönen Ende, bleibt dem Einzelnen zu entscheiden.
„Seraphim Falls“ hat eine strotzende Story, ist musikalisch wohlunterlegt und ist trotz einiger Merkwürdigkeiten am Schluss ein Film, der sicher in keiner soliden Sammlung fehlen sollte.

Mekong Delta – In A Mirror Darkly

„In A Mirror Darkly“ ist das elfte Album von MEKONG DELTA. Die Metallegende, die sich zwischen Thrash- und Progressive Metal, sowie Neoklassik bewegt, entwickeln ihr Werk diesmal besonders gewandt. Stramm und straff kommt das Album daher. Ausgefeilte Spielart begegnet nonkonformistisch gradlinigen Metal-Texten. In Sachen Schläue, Kunstfertigkeit und Ambition war das Album 2014 eines der besten des Jahres. Komponist Ralph Hubert bleibt seinem kapriziösen Stil treu und hebt sich wie immer von der Masse ab. Ausladende Instrumental-Arrangements leiten ein vertracktes und hochdurchdachtes Stück Metal- und Musikkunst ein. Positiv zu verzeichnen ist dabei das Akustik-Intro, das typisch, aber viel zu selten ist im Metal und hier wohl eines der technisch gekonntesten darstellt. Raffiniert ist auch der Einbau des James Bond Themas in die anschließende Ouvertüre. Druckvoll und visionär spielen die versierten Musikanten alsdann progressiven Thrash, unterbrochen von einem ruhigen Lied, in denen Pauken und Keyboards zum Einsatz kommen und klingen nach einem bombastischen Tontheater in ein Todessignal aus. Perfekt!
Fazit: Progressiver Metal der anspruchsvollsten Sorte. Vielleicht hätte der Sound etwas besser sein können, aber das stört bei mehrmaligem Hören nicht wirklich. Und mehrmaliges Hören ist bei dem wuchtigen Werk notwendig, denn „In A Mirror Darkly“ ist ein Album für echte Musikfans, die kein Nischendasein leben, sondern die Hörherausforderung lieben.

Red Hill

Red Hill ist einfach, eckig, erbarmungslos, ein neuzeitlicher Western mit Format und ein echter Filmgenuss. Das Regiedebut von Patrick Hughes aus dem Jahr 2010 ist das eines Profis. Das offensichtliche Talent verlegt die Handlung des gut ausgedachten Rachefilms in die australischen Outback und brilliert durch einen epischen wie Beklemmung erzeugenden Regiestil und einem Drehbuch, das gut nachvollziehbar ist und doch die Geheimnisse langsam aufdeckt. Auch wenn der Zuschauer naturgemäß manches vorherahnt, ist der Film keineswegs vorhersehbar, sondern überrascht bei seinem schlüssigen und konsequenten Verlauf an den Richtigen Stellen.
Shane Cooper (Ryan Kwanten), ein junger Polizist aus der Großstadt hat sich mit seiner schwangeren Frau Alice (Claire van der Boom) in die kleine Stadt Red Hill versetzen lassen, zum Wohle des Kindes.
Ruhe und Frieden findet er allerdings vorerst nicht, denn an seinem ersten Arbeitstag geht so einiges nicht nach Plan und die „Stadtpflanze“ ist von dem Hinterlandnest, das mitten in einer Kreuzung liegt und dessen Eigenarten etwas irritiert, sein autoritärer und rustikaler Chef Sheriff Old Bill (Steve Bisley) und ein Panther tun ihr Übriges.
Dann macht die Nachricht die Runde, dass der Schwerverbrecher
Jimmy Conway (Tom E. Lewis) ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und allem Anschein nach auf dem Weg nach Red Hill, seiner Heimatstadt ist. Der australische Ureinwohner Conway sinnt offensichtlich nach Rache. Old Bill trommelt seine Männer zusammen und ermahnt alle wie gefährlich Conway sei. Die Zugangswege zur Stadt werden gesperrt und überwacht. Cooper als den Neuling postiert man, an dem unwahrscheinlichsten Weg, eine alte Gebirgsstraße. Doch genau dort taucht Conway mit entstelltem und grimmigem Gesicht auf und bedroht Shane mit einem Gewehr, der zu seinem Glück den Abhang hinunterstürzt. Es wird Nacht und Conway rechnet nun mit seinen Feinden ab. Shane, der sich bei seinem Sturz leicht verletzt hat, schleppt sich zu Fuß zurück in die Stadt und schultert dort einen schwerverletzten Polizisten, um ihn in Sicherheit zum abgemachten Notfalltreffpunkt, eine Scheune, zu bringen. Doch Jimmy, der sich mit seinen Kontrahenten ein tödliches Katz und Mausspiel liefert, erwischt ihn, erschießt ihn jedoch nicht, da er in Shane keinen echten Feind sieht. Er fesselt und knebelt den in Ohnmacht fallenden Shane und bringt
ihn aus der Stadt. Dieser kann sich jedoch befreien und bringt den verletzten Polizisten zur Scheune, wo Bill und der Rest auf Conway wartet. Die Spannung steigert sich, als Shane begreift, dass Bill nicht ganz unschuldig in der Angelegenheit ist und von diesem Ko geschlagen und in der Scheune festgebunden wird. Bill und seine Getreuen wollen Jimmy eine Falle am Stadtrand stellen, doch der gewitzte und fährtenlesende Aborigine dreht den Spieß um, wird aber von zwei
unerwartet herbeigeeilten Helfern davon abgehalten Bill zu töten. Doch Shane, der inzwischen Verstärkung gerufen hat und erfahren hat, dass Bill und seine Männer Shanes schwangere Frau ermordet
haben und Jimmy die Sache in die Schuhe geschoben haben,
erscheint ebenfalls plötzlich und es kommt zum tragischen Showdown im Mondschein, indem Bill seine beiden Freunde und auch Jimmy, der zum ersten Mal spricht umkommen.
Der düstere Western wird von seinen kernigen Charakteren und unauffälligen Musik zur rechten Zeit getragen. Das oftmals leicht unrealistische Thema der Einmannarmee bewährt sich hier ohne große Übertreibungen, sondern mit einem knallharten und entschlossenen Mann, der nichts zu verlieren hat und Gegend und Gegner genauestens kennt. So trumpfen gerade jene unvernünftigen Gefahrenmomente
dramatisch auf, in denen sich der raubeinige Rächer furchtlos, doch die Situation einschätzend seinen bewaffneten Gegnern stellt.
Das gilt vor allem für die Szene, wo der verunfallte und aufgeregte Verfolger Jimmy Conway mit einem versteckten Revolver erschießen will und diesen mit seinen drei abgefeuerten Fehlschüssen, nicht aus der Fassung bringt.
Der Auftritt des Panthers ist ein besonderer Stilschmuck, das Raubtier verleiht Schrecken und Nervenkitzel – ein Einfall der Schule machen sollte. Auch ansonsten bietet das Filmhighlight stilistisch alles was das Westernherz begehrt. Red Hill ist ein glänzender Film, den man sich merkt und der gerne öfter unterhält

River’s Edge

River’s Edge – ist ein Indipendentfilm von 1986, gedreht von Tim Hunter und geschrieben von Neal Jimenez. Der Film, der in der deutschen Übersetzung den Titel „Das Messer am Ufer“ trägt, was nicht nachvollziehbar ist, denn es kommt kein Messer darin vor, handelt von einer amerikanischen Kleinstadtclique Anfang der 80er Jahre. Die Jugendlichen erfahren, dass ihr Freund Samson ‚John‘ Tollet (Daniel Roebuck) seine Freundin Jamie am Rand des nahe gelegenen Flusses erwürgt hat und offenbar keine Reue empfindet. Die Freunde scheinen ebenfalls wenig schockiert, sondern eher verblüfft bis desinteressiert. Apathisch zeigt Samson ihnen die Leiche und erklärt, dass Jamie ihm auf Nerven gegangen ist. Der loyale Layne (Crispin Glover) überredet alle kurzerhand nichts zu verraten und so geht zuerst keiner zur Polizei, John versteckt sich. Layne wirft die Leiche nachts eigenhändig in den Fluss um die Spuren zu verwischen. Als Matt (Keanu Reeves) es dann doch der Polizei meldet, ist diese am Tatort einigermaßen irritiert, auch über Matts gemütsarme und gleichgültige Art. Die jungen Menschen haben Ärger mit ihren Familien und sind abgestumpft, wirken perspektivlos. Die Handlung gewinnt an Fahrt und Emotion und hält prima dramatische Momente und ein klasse Finale bereit. Der Film bringt das Lebensgefühl der 80er-Jahre-Kleinstadtjugendclique, die auf Rockmusik steht, exzellent herüber. Der junge Keanu Reeves überrascht dabei überzeugend in einer seiner ersten Rollen als Heavy Metal-Fan. Dem Soundtrack gehören die damals gerade aufstrebenden Bands Fates Warning und Slayer an. Groß ist auch die Rolle von Dennis Hopper als der alternde Kumpel der Clique und Kleindealer Feck, der leicht schizophren wirkt und nebenbei in eine Gummipuppe verliebt ist. Unvergesslich die Szenen, in der er mit ihr in den Supermarkt geht, um Bier zu kaufen oder ihr zärtlich bei Mondschein über die Wange streichelt. River’s Edge ist kultig und immer noch ein empfehlenswerter Geheimtipp.